SUMA-EV Kongress 2016 – Redner:
Dr. Christian Grugel

32798-christian-grugel-1 Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV)

 

Ministerialdirektor a. D.

Vita:

Dr. Christian Grugel (Jg. 1950) ist Naturwissenschaftler. Er studierte von 1969 bis 1974 Chemie an der Universität Dortmund und promovierte 1977 mit einer Arbeit auf dem Gebiet der metallorganischen Chemie. Danach nahm er Aufgaben des gesundheitsbezogenen Verbraucherschutzes auf den unterschiedlichen Ebenen der niedersächsischen Landesverwaltung wahr. Im Mai 2002 wechselte er als Leiter der neu gegründeten Bundesanstalt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in den Bundesdienst.  Nach Umwandlung der Bundesanstalt zum Bundesamt wurde Christian Grugel zu ihrem ersten Präsidenten ernannt. Ende 2007 verließ er das Bundesamt und wurde Abteilungsleiter im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Seine Abteilung war dort insbesondere für den wirtschaftlichen Verbraucherschutz, die Produktsicherheit und die Gentechnik zuständig. Im Dezember 2013 wurde die Zuständigkeit für den Verbraucherschutz dem Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz übertragen und Christian Grugel an dieses Ressort versetzt. Dort leitete er  bis zu seinem Ausscheiden Ende Juni 2015 die Abteilung Verbraucherpolitik. Der Kundendatenschutz und die von der Kommunikations- und Internetwirtschaft angebotenen Dienstleistungen waren Arbeitsschwerpunkte seiner Abteilung.

Aktuell:

Seit Anfang dieses Jahres ist Dr. Christian Grugel Mitglied des Expertenrates “Lebensmittelsicherheit“ im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV).

Sein Thema:

„Digitalisierung und Vernetzung – Was können technische Regeln leisten?“

Fragen an Herrn Dr. Grugel:

  1. Bitte in zwei Sätzen: Worum geht es in Ihrem Vortragsthema und warum ist dieses relevant?
    „Die Möglichkeiten, digitalisierte vernetzte Prozesse durch allgemeine gesetzliche Bestimmungen zu regeln, sind begrenzt. In dem Vortrag soll deshalb aufgezeigt werden, welche Ziele besser über technische Regeln umgesetzt werden. In der Vergangenheit hätten wir kein Ziel im Umwelt- oder Strahlenschutz erreicht, wenn darauf verzichtet worden wäre, auch technische Kriterien detailliert zu regeln.“
  2. Was möchten Sie mit Ihrem Vortrag erreichen?
    „Mit dem Vortrag soll die Entwicklung weiterer technischer Regeln für digitalisierte vernetzte Prozesse angestoßen werden. Die Wissenschaft wird aufgefordert, Teststellungen für komplexe Prozesse zu entwickeln, die durch das Ineinandergreifen vieler Algorithmen auf Prozessebene nur als deterministisches Chaos wahrgenommen werden können.“
  3. Sind wir uns den Gefahren des Datenmissbrauchs in Zeiten der Digitalisierung bewusst genug?
    „Die Fremdbestimmung durch personalisierte Informationen und Angebote haben die allermeisten Menschen noch nicht als Gefahr identifiziert. Diese Gefahr existiert selbst dann, wenn die Verwendung der Daten legal war. Sie besitzt das Potential, die Bürger in einem Staat zu entsolidarisieren und den Zusammenhalt der Gesellschaft zu zerstören.“
  4. Welche ist die größte Herausforderung, vor der wir im Datenschutz stehen?
    „Die größte Herausforderung des Datenschutzes besteht darin, den Nutzen von Big Data-Prozessen zu ermöglichen, ohne die Datenspuren jedes Einzelnen personalisiert zusammen zu führen. Menschen, die sich beobachtet fühlen, reagieren mit konformem Verhalten. Dies reduziert Motivation, Individualität und Kreativität.“