Standards und Normen an der Schnittstelle zwischen Verwaltung und Archiv: Kritische Würdigung und Empfehlungen

Ulrike Spree: Standards und Normen an der Schnittstelle zwischen Verwaltung und Archiv: Kritische Würdigung und Empfehlungen. In: LRV-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum (Hrsg.): Standards und Normen im Alltag der Archive. Bonn : Rudolf Habelt GmbH, 2011, S. 21-29

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Abstract

“Das Leben spottet der Norm. Alles Geschehen ist Überraschung und Variante – und Suchen!“

Dieses Zitat des Itzehoer Künstlers Wenzel Hablik aus den 1920er Jahren spiegelt ziemlich deutlich eine häufig gegenüber Normen anzutreffende negative Haltung wider: Normen werden als praxisfern, einengend und Kreativität und Neuerung hemmend erlebt. Nicht selten werden Normen und Standards mit Erbsenzählerei und sturer Pedanterie in Verbindung gebracht. Ähnlich ablehnend reagieren auch regelmäßig meine Studierenden in meiner Einführungsveranstaltung in die Wissensorganisation, wenn ich ihnen erkläre, dass die Berücksichtigung der DIN 1505 (Titelangaben von Dokumenten), DIN 1436 (Thesaurus) und DIN 32 705 (Klassifikation) verbindliche Grundlage für das Semesterprojekt (Erstellung eines Thesaurus oder einer Klassifikation) ist. Genauso regelmäßig heben viele Studierende in der abschließenden Feedbackrunde hervor, dass die DIN-Normen äußerst hilfreich bei der Bearbeitung der Aufgabe gewesen seien. Warum ist das so? Schauen wir uns zunächst einige Beispiele für die Funktion von Standards und Norman an, dann wird deutlich, dass Standards alles andere als Erbsenzählerei im Sinn haben.