Suchmaschinen, Bürde für Informationsspezialisten?

Lewandowski, Dirk: Suchmaschinen, Bürde für Informationsspezialisten? In: Informationskompetenz 2.0 Zukunft von qualifizierter Informationsvermittlung. Proceedings des 24. Oberhofer Kolloquiums 2008, S. 183-191.

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„Numerous studies have shown users are often willing to sacrifice Information quality for accessibility. This fast food approach to information consumption drives librarians crazy. ‘Our
Information is healthier and tastes better too’ they shout. But nobody listens. We’re too busy Googling.“ (Morville, 2005: 55) Dieses Zitat aus einem populärwissenschaftlichen Buch über allgegenwärtige Informationen und das Problem, dass diese Informationen auch allgegenwärtig auffindbar sein müssen, zeigt auf plastische Weise, wie die Werbeaussage der Informationsspezialisten ungehört verhallt. Zugleich werden Informationsqualität und leichter Zugang zu Informationen gegenübergestellt. Die Nutzer entscheiden sich für den einfachen Weg, auch wenn ihnen dabei Qualität entgeht. Die Popularität des „König des einfachen Wegs“, Google, ist nahezu unermesslich. Google ist hier – wie so oft – aber nur als Metapher zu sehen für ein Paradigma, nämlich das des einfachen Zugangs zu Informationen. Es ist zu fragen, ob sich ein einfacher Zugang auch zu „komplizierten Informationen“ bieten lässt. Hier wären Informationsspezialisten gefragt. Wenn allerdings ein solch einfacher Zugang zu diesen Informationen aufgrund der Komplexität schlicht nicht möglich ist, dann wären die Suchmaschinen mit ihrem Paradigma der universellen Auffindbarkeit ohne den Preis einer nennenswerten kognitiven Anstrengung in der Tat eine Bürde für die Informationsspezialisten. Der Frage, ob Suchmaschinen (und die mit ihnen einhergehenden Veränderungen in der Verfügbarkeit und dem Zugang zu Informationen) eine Bürde oder vielleicht im Gegenteil sogar eine Chance für Informationsspezialisten sind, soll in diesem Aufsatz nachgegangen werden.