Google Scholar – Aufbau und strategische Ausrichtung des Angebots sowie Auswirkung auf andere Angebote im Bereich der wissenschaftlichen Suchmaschinen

Lewandowski, D. (2005). Google Scholar – Aufbau und strategische Ausrichtung des Angebots sowie Auswirkung auf andere Angebote im Bereich der wissenschaftlichen Suchmaschinen.

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Abstract

Google, die weltweit erfolgreichste Suchmaschine, begibt sich mit seinem neuen Dienst Google Scholar auf das Feld der wissenschaftlichen Informationen. Der technische Aufbau dieses Angebots ist an die etablierte Websuche angelehnt und adaptiert deren Erfolgsfaktoren Bedienbarkeit, Geschwindigkeit, Indexgröße und Qualität des Rankings. Neben der Websuche bietet Google weitere Dienste an, die unter technologischen Gesichtspunkten oder in Hinblick auf Erfahrungen innerhalb von Partnerschaften mit Dritten von Bedeutung für Google Scholar sind: Webverzeichnis, Google News, Newsgroups, Froogle (Produktsuche), Google Print (digitalisierte Bücher), Library Project (Digitalisierung von Bibliotheksbeständen) und Google Answers (kostenpflichtiger Auskunftsdienst). Zu diesen Angeboten bestehen Synergien, die bisher jedoch noch nicht ausgeschöpft werden. Bei einem regulären Start des Angebots (bisher ist es nur in einer Beta- Version verfügbar) ist allerdings mit einer entsprechenden Ausnutzung zu rechnen. Bisher werden in Google Scholar Inhalte aus dem freien Web und Inhalte von Verlagspartnern erfasst. Der Umfang liegt zwischen zwei und sieben Millionen Dokumenten. Es sind unterschiedliche Inhalte erfasst: Neben Artikeln aus Fachzeitschriften, die ein Peer-Review-Verfahren durchlaufen haben, sind auch Preprints, Reports u.ä. enthalten. Die Dokumente sind im Volltext erschlossen; das teils in den Quellen verwendete kontrollierte Vokabular findet keine Berücksichtigung. Die Suche erfolgt über ein einziges Eingabefeld in der Standardsuche oder eine erweiterte Suchmaske. Die Suche nach Autoren oder Zeitschriftentiteln ist möglich, funktioniert aber nur unbefriedigend. Die aus der Analyse des Angebots abgeleiteten Empfehlungen für ein Konkurrenzsystem lauten:

  • Zusammenfassung der Repräsentationen der erschlossenen Dokumente in einer Datenbank anstatt einer Meta-Suche. Damit wird die Geschwindigkeit erhöht.
  • Transparent machen, welche Quellen erschlossen werden und in welchem Umfang (bspw. welche Jahrgänge).
  • Umfangreiches Quellenspektrum aus Bibliotheks-, Verlags-, Open-Access-Inhalten.
  • Abdeckung des gesamten Fächerspektrums.
  • Verwendung eines Rankings nach Relevanz, daneben wählbares Ranking nach anderen Faktoren wie z.B. dem Datum.
  • Erschließung der Volltexte und Verwendung eines kontrollierten Vokabulars (bzw. mehrerer).
  • Bei der Gestaltung der Suchoberfläche Orientierung an der Einfachheit des Google-Suchinterfaces, dazu Bedürfnisse der Profis berücksichtigen.
  • Umfassende Suchmöglichkeiten sowohl über Formulare als auch über eine Abfragesprache.
  • Neben der Suche auch Browsing ermöglichen.
  • Anfallende Kosten schon in der Trefferliste ausweisen. Höchstmögliche Kostentransparenz.
  • Verfügbarkeitstransparenz schaffen.
  • Mehrwerte anbieten: Alert-Service, Erstellung von Bibliographielisten, o.ä.

Letztlich sollte die Zeit bis zur Einführung der „Vollversion“ von Google Scholar und dem damit zu erwartenden Popularitätsschub genutzt werden, um ein konkurrenzfähiges Angebot zu schaffen.